Andreas Gradert

Präsidium Humanistischer Verband Österreich

Statement

Stefan Zweig steht für einen Humanismus, der nationale, religiöse und kulturelle Grenzen überschreitet. Sein Leben zeigt, wie rasch Weltoffenheit, Freiheit und demokratische Kultur verloren gehen können, wenn Ausgrenzung, Nationalismus und autoritäres Denken die Oberhand gewinnen. Die Erinnerung an ihn gehört deshalb nicht nur in Bücher und Archive. Sie braucht konkrete Orte, an denen Geschichte erfahrbar wird und Menschen ins Gespräch kommen.

Die Stefan-Zweig-Villa ist ein solcher Ort. Sie war Wohnhaus, Schreibstätte und Treffpunkt europäischer Kultur. Ihre öffentliche Nutzung würde dieses kulturelle Erbe sichern und einen lebendigen Raum für Literatur, Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichen Diskurs schaffen. Aus humanistischer Sicht bedeutet Gedenken nicht, ehrfürchtig in die Vergangenheit zu blicken. Es bedeutet, aus ihr Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen: für Menschenwürde, Frieden, Demokratie und ein Europa, das seine Stärke aus Offenheit und Verständigung gewinnt.